Wie viele deiner Entscheidungen triffst du wirklich selbst, und wie viele trifft ein altes Muster für dich? Evelyn Wolf ist systemische Coachin und begleitet Menschen dabei, wieder in ihren Körper zu kommen und aus ihm heraus zu führen. Gleichzeitig ist sie Gesellschafterin eines großen mittelständischen Familienunternehmens. Sie weiß aus erster Hand, wie es ist, wenn Familie, Erbe und Führung übereinander liegen und eine Entscheidung plötzlich viel mehr trägt als nur Zahlen.
In dieser neunten Episode von Tiefgang sprechen Evelyn und ich darüber, warum mehr Daten keine besseren Entscheidungen machen. Es geht darum, wie du wahrnimmst, was in deinem Körper passiert, wie du dich in brisanten Momenten selbst regulierst und wie du erkennst, welche Werte du geerbt und welche du gewählt hast. Wenn du gerade vor einer großen Entscheidung stehst, lies auch, wie du Entscheidungen treffen kannst, ohne dich im Kreis zu drehen.
Auf einen Blick
Führung beginnt unter der Sprache. Ob Menschen dir folgen, hängt nicht nur davon ab, was du sagst, sondern davon, wie du in den Raum kommst, wie sicher du in dir bist und was in deiner Stimme mitschwingt.
Du kannst nur nutzen, was du wahrnimmst. Der erste Schritt ist Interozeption, also die Fähigkeit, feine Signale im eigenen Körper zu spüren. Das lässt sich trainieren wie ein Muskel.
Wahrnehmen allein reicht nicht. Wer mehr spürt, ohne sich regulieren zu können, wird eher unsicherer. Erst die Fähigkeit, in dir einen ruhigen Ort zu finden, macht Gefühle zu Information.
Mehr Berater machen keine bessere Entscheidung. In Familienunternehmen fehlt selten Information. Entscheidend ist, was in den Menschen und zwischen ihnen passiert.
Geerbt oder gewählt? Die zentrale Frage der Episode: Welche deiner Werte hast du selbst gewählt, und welche lebst du nur weiter, weil sie dir mitgegeben wurden?
Worum es in dieser Episode geht
Wir steigen mit der Frage ein, was Führung eigentlich ist. Evelyn beschreibt einen verbreiteten Glauben: Wer genug Informationen und Analysen hat, entwickelt daraus eine Strategie, fühlt sich sicher und kann andere mitnehmen. Doch darunter liegt eine zweite Ebene. Wie du wirkst, ob man dich ernst nimmt und ob dein Weg angenommen wird, entscheidet sich auch im Körper. Und das gilt nicht nur im Unternehmen, sondern genauso in deiner Beziehung, im Streit mit deinem Vater oder vor dem Supermarktregal.
Der praktische Teil des Gesprächs dreht sich um zwei Fähigkeiten. Erstens: wahrnehmen, was in dir passiert, bevor du automatisch reagierst. Zweitens: dich selbst regulieren, wenn es brisant wird, statt in ein Muster aus der Kindheit zu fallen. Evelyn erzählt von einer Klientin, deren Vater ihr im Familienunternehmen nicht zuhört, und von einem Klienten, der in anderthalb Monaten von ständigem Blick nach außen zu einem neuen Frieden in sich gefunden hat. Wie du dein Nervensystem regulieren kannst, liest du im verlinkten Artikel.
Im Kontakt mit Männern sehe ich oft, was Evelyn an ihrem Klienten beschreibt, und ich kenne es auch von mir: Ich bin gerne der Retter der anderen. Die ganze Aufmerksamkeit geht nach außen, auf das, was der andere braucht. Das eigene Bedürfnis kommt gar nicht erst an die Oberfläche. Nähe entsteht so nicht, denn teilen kannst du nur, was du in dir selbst spürst.
Im letzten Teil wird es persönlich. Evelyn wurde durch einen Todesfall in der Familie über Nacht Gesellschafterin. Sie hatte Zugriff auf Steuerberater, Anwälte, Coaches und Therapeuten und hat trotzdem jemanden vermisst, der beide Welten versteht: die Logik eines Familienunternehmens und die emotionale Welle, die eine solche Entscheidung auslöst. Am Ende gibt sie eine einfache Übung mit, die tiefer geht, als sie klingt: eine Liste mit zwei Spalten, geerbt und gewählt. Passend dazu zeigt der Artikel über deine eigenen Werte, wie du geerbte Werte von eigenen unterscheidest.
Über Evelyn Wolf
Evelyn Wolf ist systemische Coachin mit Schwerpunkt auf körperorientierter Arbeit. Sie begleitet Menschen dabei, ihren Körper wieder wahrzunehmen, sich selbst zu regulieren und Entscheidungen zu treffen, die mit ihrem ganzen System im Einklang sind. Sie hat im Konzern und im Start-up gearbeitet und ist heute Gesellschafterin eines großen mittelständischen Familienunternehmens. Aus dieser Erfahrung heraus begleitet sie besonders Menschen, die in einem Familienunternehmen stehen oder vor der Frage der Nachfolge. Mehr zu ihrer Arbeit auf evelynwolf.de.
Themen in dieser Episode
- Was Führung unter der sprachlichen Ebene ausmacht: Präsenz, Stimme, innere Sicherheit
- Embodied Cognition: warum Entscheidungen nicht nur im Kopf entstehen
- Interozeption trainieren, vom Supermarktregal bis zum Morgenkaffee
- Selbstregulation: wie Gefühle zu Information werden statt zur Spirale
- Kontaktabbruch erkennen und in schwierigen Gesprächen neugierig bleiben
- Warum uns Körperwahrnehmung schon in der Schule abtrainiert wird
- Familie und Unternehmen: zwei Logiken, die im Familienbetrieb kollidieren
- Die Übung „Hab ich geerbt, hab ich gewählt“ für Nachfolger und alle, die vor einer großen Entscheidung stehen
Links und Ressourcen
Wenn du merkst, dass dein Körper bei einer Entscheidung längst etwas anderes sagt als dein Kopf, dann lies auch den Artikel über Körper und Psyche. Er zeigt, warum der Körper oft der direktere Weg zu dir ist.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet es, aus dem Körper heraus zu führen?
Es bedeutet, Entscheidungen nicht nur mit dem Kopf zu treffen, sondern auch wahrzunehmen, was dabei im Körper passiert. Evelyn Wolf nennt das Embodied Cognition: Führung wirkt nicht nur über das, was du sagst, sondern darüber, wie sicher du in dir bist und was in deiner Stimme mitschwingt. Wer spürt, was in ihm vorgeht, fällt seltener in alte Muster und kann in schwierigen Gesprächen im Kontakt bleiben.
Wie lerne ich, meinen Körper besser wahrzunehmen?
Mit kleinen, täglichen Übungen. Evelyn empfiehlt, mindestens zehn Minuten am Tag bewusst in die Selbstwahrnehmung zu gehen, etwa indem du deinen Morgenkaffee zu einem Ritual machst und Wärme, Geruch und Geräusche wahrnimmst. Auch kleine Entscheidungen im Supermarkt eignen sich: Wie reagiert dein Körper auf die eine Option, wie auf die andere? Wahrnehmung ist ein Muskel, der mit Wiederholung feiner wird.
Wie finde ich heraus, welche Werte ich geerbt habe?
Evelyn schlägt eine Liste mit zwei Spalten vor: Hab ich geerbt, hab ich gewählt. Geh damit durch deine Werte, deine Beziehung zur Familie oder zum Unternehmen, dein Studium und deinen Beruf. Dann spür bei jedem Punkt hin, wie er sich im Körper anfühlt. Geerbte Werte, die nicht zu dir passen, zeigen sich oft als Widerstand, Enge oder Unwohlsein, auch wenn der Kopf sie für richtig hält.
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Christian (00:00)
Führen aus dem Körper heraus und aus dem Gefühl ist 'ne Sache, über die man zwar viel lesen kann. Ich bevorzuge es jedoch, mit 'ner Expertin darüber zu sprechen, und zwar meiner heutigen Gästin Evelyn Wolf. Schön, dass du da bist.
Evelyn (00:12)
Danke, schön hier zu sein.
Christian (00:14)
Eve, du bist ja nicht nur systemische Coachin, die Menschen dabei hilft, in den Körper zu kommen und auch aus dem Körper heraus zu führen, sondern spannenderweise bist du selber sogar Gesellschafterin von 'nem großen mittelständigen Familienunternehmen. Das heißt, du kannst aus erster Hand darüber sprechen, was es heißt, körperorientiert zu führen. Jetzt können wir natürlich viel darüber theoretisieren und mich würde interessieren so, was heißt das eigentlich und wie ist so deine Perspektive und Sichtweise auf das ganze Thema innere Führung?
Evelyn (00:44)
Genau. Ja, also fängt erst mal an bei: Was denken wir eigentlich heutzutage, was Führung ist und wo beginnt dieser Prozess des Führens eigentlich? Und wenn wir uns dann mal anschauen, ganz oft ist der Glaube, okay, ich brauch mehr Informationen, mehr Analysen, anhand dessen ich mir 'ne Idee machen kann und dann entscheide ich daraus meine Strategie und dann hab ich ja diese innere Sicherheit in mir und dann hab ich sozusagen auch die Ausstrahlung oder den die Überzeugung, andere Menschen mit mir in diese Vision, in diese neue Strategie reinzuführen. Was aber an der unter, also was auf der darunterliegenden Ebene sozusagen passiert, ist ja nicht nur das, was du sagst, führt, sondern wie kommst du in den Raum? Wie sicher bist du in dir selbst? Und was schwingt auch in deiner Stimme mit an Überzeugungen, aber auch an Werten, die du vielleicht hast. Also unter dieser sprachlichen Ebene gibt es eben noch ganz viele Dinge, die dafür entscheidend sind, ob du als Führungskraft ernst genommen wirst, ob das, was du anbietest, als Weg angenommen wird und auch was sozusagen deine Führungspräsenz in anderen Menschen auslöst. Und auf manche Sachen davon haben wir Einfluss, auf manche Sachen haben wir davon keinen Einfluss. Aber überhaupt erst mal das Bewusstsein zu haben: Hey, auch wenn ich alles durchdacht hab, im Kern verstanden hab, gibt es noch andere Ebenen, die sozusagen mit in unsere Führung mit reinschwingen. Und deswegen find ich das Thema superwichtig, überhaupt sich erst mal darüber bewusst zu werden, dass es diese Ebene gibt. Cognition, embodied cognition nennt man das auch. Also Entscheidungen stehen nicht nur im Kopf, sondern eben halt auch in Einklang mit dem, was im Körper abgeht. Und dann als nächsten Schritt zu verstehen: Okay, wie kann ich das denn erst mal bewusster wahrnehmen und dann auch einsetzen gezielter, um wirklich meine Führung damit auch wirksamer zu gestalten. Genau.
Christian (02:41)
W-w-wirkt sich das nur auf Führung jetzt in Unternehmen aus? Oder würdest du auch sagen, dass sich das im Alltag aus, wirkt in Bezug auf meine Freundin, Beziehung und Co.?
Evelyn (02:51)
Auf sämtliche Lebensbereiche. Also Entscheidungen, ne, l-letztendlich treffen wir Entscheidungen den ganzen Tag. In Beziehungen: Wie gestalten wir Beziehungen? Wie reagiere ich vielleicht auch auf jemanden, wenn ich in Konflikt reingerate? Was im Konflikt ja oft passiert, ist, dass du quasi, durch 'ne gewisse Erreichen einer gewissen emotionalen Threshold, ne, an dein Toleranzgrenz, wenn du da sozusagen rankommst, dann hast du weniger Entscheidungsspielraum, Entscheidungsmöglichkeiten, weil du nämlich getriggert wirst, weil Emotionen hochkommen. Und wenn du dann sozusagen nicht die Kompetenz hast, wahrzunehmen, was überhaupt bei dir passiert, dann kommst du in so 'n Reaktionsmuster, wo du dir nachher dann denkst: „Hä, eigentlich war das doch gar nicht… warum bin ich denn so ausgerastet?“ Oder: „Warum hat mich das denn so emotional gemacht?“ Und das ist jetzt ein Bereich Beziehung, aber das hast du natürlich auch in verschiedenen anderen Situationen, wenn's jetzt darum geht: Was für 'n Beruf möcht ich machen? Wo möcht ich hinziehen? Also egal, wo Entscheidung sozusagen 'ne Rolle spielt, ist es meiner Meinung nach wichtig, die Gesamtheit der Information, die uns zur Verfügung steht, einzubeziehen und nicht das, was wir alleine mit dem Bewusstsein, allein mit dem Verstand, alleine anhand von externer Information wahrnehmen können, sondern sozusagen die Entscheidung damit zu stützen, was eigentlich im Inneren von uns abgeht und wie das sozusagen manchmal auch 'n klareres Signal sein kann.
Christian (04:14)
Okay, wenn wir jetzt mal zum Beispiel auf, auf so die geschäftliche Ebene schauen, also, ich mein, Daten, Marktanalysen und Co. Geben uns natürlich 'n Haufen Information, um 'ne Vision zu entwickeln und auch 'ne Richtung einzuschlagen. Jetzt sagst du: „Okay, es gibt noch 'ne weitere Ebene und das ist der Körper, also wie ich sie vermittle.“ 'Ne Frage, bevor wir dort einsteigen, wär noch von meiner Seite aus: Gibt's denn auch noch körperliche Wege, um die Entscheidungsfindung weiter zu beeinflussen?
Evelyn (04:41)
Also ich glaube, bevor man sozusagen die Entscheidungsfindung… Es geht ja nicht darum, die Entscheidung zwangsläufig zu beeinflussen, sondern erst mal den Spielraum zu erweitern von: Ich treffe 'ne Au-, Entscheidung automatisch, ohne mir bewusst zu sein, was im Hintergrund noch alles mitschwingt, zu: Oh, da steht 'ne Entscheidung an. Ich merk, das macht das und das mit mir. Und dann den Abstand zu vergrößern zwischen das nehm ich wahr und ich geh nicht sofort in 'nen Muster, in 'n Handlungsmuster und treff die Entscheidung aus. Zum Beispiel: Oh, ich hatte eigentlich immer das und das Thema mit meinem Vater. Jetzt gibt's da irgendwie 'ne, 'ne Herausforderung, wo ich mit ihm in 'nem Konflikt stehe und ich geh sozusagen pauschal in die Vermeidung, weil ich das so gelernt hab in meiner Beziehung zu meinem Vater, dass sozusagen es nichts bringt, wenn ich frontal dagegenhalte. Das heißt, da ist 'ne Strategie, die ist in der Kindheit entstanden. Da hast du damals gedacht, okay, da hattest du noch 'n anderes Machtverhältnis vielleicht auch. Und dann hast du diese Strategie genutzt, um den Konflikt abzuwenden oder um 'ne Entscheidung in 'ne bestimmte Art und Weise zu lenken oder zu richten. Und wenn du jetzt sozusagen anfängst In diesem Moment, wo du normalerweise in diese Reaktion gehen würdest, mehr Spielraum zu haben, wahrzunehmen, was passiert da bei dir, auch 'ne Möglichkeit zu haben, dich selbst zu regulieren. Da merkt man schon, dann entsteht viel mehr Handlungsspielraum. Also du hast viel mehr die Möglichkeit zu sagen: „Okay, das passiert alles grade und was mir aber wichtig ist“, ne, das bring ich auch mit in die Entscheidung ein und deswegen hab ich heute 'ne Wahl zwischen A und B und nicht nur default C.
Christian (06:16)
Okay, verstehe. Also das, das, das… der Kern der Sache ist, dass ich vor allem eine Kompetenz entwickle, nicht in meine Automatismen zu fallen beziehungsweise sie frühzeitig zu erkennen, bevor ich Entscheidungen treffe.
Evelyn (06:26)
Genau.
Christian (06:27)
Verstehe. Und, wie drückt sich da, also wie würde ich jetzt damit anfangen, wenn ich bessere Entscheidungen treffen möchte, um besser zu führen, ja? Und sei es nur, in, wenn ich vor der, vor dem Supermarkt vorm Süßwarenregal stehe und vielleicht mal keine Süßigkeiten kaufen will. Also wo, wo geht's dann, wo fängt's da an, deiner Meinung nach?
Evelyn (06:44)
Genau, also das, was ich ja schon mehrfach so angedeutet hab: Du kannst nichts verändern, was du nicht bewusst wahrnimmst und du kannst auch vor allem keine Information aktiv nutzen, die du nicht bewusst wahrnimmst. Das heißt, der erste Schritt ist überhaupt erst mal, deine sogenannte Interozeption zu entwickeln, nämlich die Feinheit, mit der du Dinge, die in deinem Körper passieren, wahrnehmen kannst. Also, ne, nimm jetzt mal das Beispiel … Gut, Süßigkeiten ist vielleicht nicht . Kann auch was anderes sein. Wir nehmen mal das Beispiel, vielleicht schon im Supermarkt und du hast irgendwie die Auswahl zwischen Spinat und Bananen oder so. Und du fängst einfach mal an bei der Frage einfach zu gucken, so die Vorstellung, die Bananen jetzt zu kaufen, was macht das in dir innerlich? Also merkst du da vielleicht irgendwie was, was sich verweit, erweitert? Vielleicht hast du irgendwo 'n Pulsieren oder 'n Vibrieren oder du hast irgendwo 'ne Temperaturempfindung. Dann nimmst du den Spinat, machst genau das Gleiche und guckst einfach, was ist deine Reaktion darauf? Wie ver… wie ist das vielleicht auch anders? Und selbst bei so 'nem kleinen banalen Beispiel kann ich versprechen, dass man wahrscheinlich 'ne kleinen Unterschied wahrnehmen wird. Aber natürlich, umso wichtiger die Entscheidung, umso großflächiger die Entscheidung, umso stärker werden da auch die, die Unterschiede sein. Was jetzt aber auch nicht bedeutet, wenn sich irgendwas erst mal nicht gut anfühlt, dass das die nicht die richtige Option ist. Also es ist nicht so pauschal, dass man sagen kann so: Oh, gute Option, gute Entscheidung fühlt sich immer richtig gut an und schlechte Entscheidung fühlt sich immer richtig schlecht an. Dann wären wir irgendwie, würden wir unserem Körper nicht gerecht werden, weil das so viel komplexer ist, was in uns abgeht, als nur dieses: Okay, das ist jetzt einfach nur 'n Entscheidungsbarometer. Aber was es dir zumindest gibt, ist interessante Mehrinformationen. Jetzt kann man noch 'n bisschen weiter in einer dieser Entscheidungsoptionen ausharren und da noch mal tiefer reingehen und da auch mal dann, ne, da hilft dann da-das Gespräch darüber auch, also wenn's jetzt 'ne wichtige Entscheidung ist. Und im Gespräch die Dinge laut zu benennen, die sozusagen als Gedanken, Gefühle kommen, wenn man in dieser Entscheidungsfindung ist. Also Option B, ne, da geht vielleicht durch den Kopf: Was hat das für 'n Einfluss auf meine Zukunft? Wie wirkt das auf andere Menschen in meinem Umfeld? Ne, also was hat das für 'ne Re-Relevanz? Und letztendlich in dem Gespräch, also das passiert dann vor allem in der Einzelarbeit, dass die meisten kommen sozusagen zu 'nem Punkt, wo sie sich selbst wahrnehmen, ganz gut alleine, ne. Das ist was, was du eigentlich täglich selbst üben kannst. Egal wo du bist, ob du jetzt im Badezimmer bist oder hier in der Küche, kannst du immer wieder diesen Check-in mit dir machen, so: „Was passiert eigentlich grade in mir? Wie geht's mir eigentlich? Was ist grad lebendig in mir?“ Und um dann aber sozusagen diesen, diesen Schritt zu machen von: Okay, ich nehm jetzt was in mir wahr. Was bedeutet das eigentlich, ne? Da geht ja der Fächer auf von das ist 'ne Response, die hab ich grade nur als Reaktion auf diese Entscheidung. Das ist 'ne Response, da schwingt irgendwie was von gestern. Ich hatt vielleicht gestern 'n Gespräch mit 'nem Freund noch, das schwingt irgendwie noch nach. Was ist vielleicht dann doch auch Ein Anteil oder ein Gefühl, ein Gedanke, eine Erinnerung aus meiner Vergangenheit, die in diese Entscheidung mit reinspielt, ne, was ich vorhin angesprochen hab mit wie man seinem Vater in 'nem Konflikt begegnet. Das ist halt schon 'ne Strategie, die sich entwickelt hat. Aber dieses Feine, die Wahrnehmung feiner aufzufle-fächern und dann zu sagen: „Okay, das schwingt da alles irgendwie mit.“ Das ist halt 'n Prozess, der meistens in Einzelarbeit halt viel besser und viel leichter passiert, weil du 'ne andere Person hast, die sitzt dir gegenüber, die hört dir zu, während du sprichst, aber nicht nur auf der verbalen Ebene, sondern eben auch auf, wenn du über das eine Thema redest, dann bist du plötzlich redest du ganz schnell, dann lehnst du dich nach vorne, dann hast du vielleicht mehr Energie, dann, ne. Da spricht ja viel mehr als jetzt nur meine Stimme. Oder bei 'nem anderen Thema, da denkst du vielleicht, du bist unklar, aber dein Gegenüber nimmt schon wahr: „Ne, du redest eigentlich so und eigentlich weiß ich auch nicht, was ich wirklich damit anfangen soll und ich weiß auch nicht, ob ich das eine wählen soll oder das andere.“ Und, ne, also der Körper spricht. Der Körper spricht die ganze Zeit. Und wenn du jemanden vor dir sitzen hast, der nur dafür da ist, sozusagen dir den Raum zu geben, dich auszudrücken und dann an bestimmten Momenten innezuhalten und dich noch mal tiefer in die Wahrnehmung zu führen und dann im Zweifel halt auch Dinge konkret anzusprechen, ne. Also wenn du das und das sagst, dann hört sich das für mich oder dann hast du viel mehr Energie. Wie wirkt das auf dich, ne? Also sozusagen so 'n Spiegelung von: Was nehm ich in dir wahr? Was dann halt dazu führen kann, dass du diese Themen in dir sortieren kannst, ne. Da entsteht dann so 'ne Ordnung von: Okay Was ich vielleicht für mich selber gar nicht wahrgenommen hab, dass ich nämlich sehr wohl schon 'ne Entscheidung getroffen hab, weil de… bei dem einen leucht ich total auf und bin sehr energetisch und bei dem anderen eben nicht. Das kann dann sozusagen alles dazu beitragen, zu 'nem, also was, ne, der, der, das Ziel dieser ganzen Übung oder dieser ganzen reinspüren und mit dem Körper in Kontakt kommen, ist ja letztendlich, dass du Entscheidungen für dich triffst, die wirklich im Einklang mit deinem gesamten System sind. Also dass du eben nicht nur Entscheidungen aus'm Kopf triffst, wo du sagst, das macht rational Sinn, das sind vielleicht die Entscheidungskriterien, das ist die beste Option, sondern dass du wirklich 'ne Entscheidung triffst, wo dein Kopf Ja sagt, wo dein Herz Ja sagt, wo im besten Fall dein ganzer Körper Ja sagt und wo du dann wirklich in 'ne ganz andere Energie kommst, in 'ne ganz andere Schaffenskraft. Und du hinter der Entscheidung auch viel mehr stehen kannst. Also dieses wirklich im Einklang mit sich sein, schafft auch 'ne ganz andere Form der Kommunikation. Was grade wichtig ist, wenn's um Entscheidungen geht, die auch andere betreffen, ne, wo du dann vielleicht durch irgendwie 'ne Konfrontation eher sonst ins, ins Wanken gerätst. Und da hilft dir halt diese Präsenz, diese, dieses innere Alignment, dieser Einklang in dir. Und ich glaube auch, wenn du das quasi trainierst, dass das langfristig dazu führen wird, dass du die besseren Entscheidungen für dich triffst. Und wenn du sie für dich triffst, wird das natürlich auch immer 'ne Auswirkung auf die anderen haben, ne.
Christian (12:59)
Definitiv, ja. Wenn ich das jetzt noch mal so f… also für mich runterbrech, weil ich fand, mir hat mal 'n, 'n Coach die Übung gegeben, die sehr ähnlich ist zu dem, was du gesagt hast. Der meinte: „Schau einfach mal, was sich verändert, wenn du den Raum wechselst.“ Also wie fühlt sich das Wohnzimmer für dich an versus das Schlafzimmer versus das Badezimmer? Und ich find das total toll, auch mit deinen Beispielen mit der Banane oder mit dem Spinat. Das mag zwar total banal klingen, aber das ist ja wirklich so 'n Training von 'nem Muskel eigentlich. Weil je öfters ich das mache, desto differenzierter nehm ich die Dinge wahr.
Evelyn (13:31)
Ja, wie gesagt, das eine ist die Wahrnehmung, das andere ist die Entscheidungsfindung. Das sind ja zwei Prozesse. Aber das erst mal, erst mal so als jemand, der vielleicht damit anfängt, mal wahrzunehmen, ist, glaube ich, schon 'n riesengroßer Schritt, der viel verändern kann. Und wenn vor allem dann auf die Wahrnehmung, das wär nämlich jetzt aus meiner Perspektive auch der nächste Schritt, der jetzt nicht unbedingt danach passiert, sondern eigentlich im, im gleichen Rhythmus sozusagen, ist die Kompetenz, sich selbst zu regulieren. Weil nur wahrzunehmen, was in dir abgeht, kann manchmal auch die Konsequenz haben, dass du halt plötzlich merkst, so eigentlich hast du das alles immer ganz gut runtergedrückt, ne, warst hier im Gespräch präsent, aber nicht, was bei dir abgeht. Plötzlich bist du irgendwie mehr aufmerksam, was bei dir abgeht. Du bist in 'nem Gespräch, du wirst nervös, Dinge ziehen sich in dir zusammen und dann kann's natürlich auch in 'ne andere Spirale führen, nämlich: Boah, ich bin ja so nervös. Das heißt, das Gespräch ist wahrscheinlich viel zu schwer für mich. Das heißt, de-de-de-de, ne. Also man ka… sieht auch, nur die Wahrnehmung allein ist halt nicht genug. Weil wenn du sozusagen nicht die Kompetenz hast, dich auch selbst zu regulieren und das wahrzunehmen, was in dir passiert und das durchzufühlen, dann kann's halt eher die Konsequenz haben, dass du unsicherer wirst oder ängstlicher wirst, weil du dir halt plötzlich deiner selbst mehr bewusst bist, ne. Aber wenn du jetzt sozusagen anfängst, parallel dazu, ne, ist es wie so'n, wie so'n Prozess, der halt immer ein Stückchen weiter aufgeht zu mehr kann durch dich durchfließen, mehr Emotion, mehr, ja, und du nimmst es sozusagen bewusster wahr. Aber wenn du dann in 'nen Moment kommst, wo, was ich grade angesprochen hab, es brisant wird und du hast 'ne Kompetenz entwickelt, dich selbst zu regulieren, was letztendlich bedeutet, ne, du merkst diese ganzen Sachen, die in dir abgehen, alles ist aktiviert und du kannst dich auf einen Ort in deinem Körper zurückbeziehen, der grade ruhig ist, in dem's sich sicher anfühlt, in dem du dich im Kontakt mit dir oder vielleicht auch der Erde fühlst Dann kannst du diese Informationen wirklich erst als das nutzen, was sie eigentlich sind: Informationen. Weil sonst tendierst du halt schnell in Interpretation zu gehen, wo du halt das Signal nimmst, es neu interpretierst und dann 'ne Konsequenz daraus ziehst. Nämlich, ne, ich nehm Angst wahr. Okay, Angst ist nicht gut für mein System. So, ich entscheide mich jetzt lieber, Entscheidung B zu nehmen, weil ich dann keine Angst haben muss, sozusagen, weil ich mich dem dann nicht aussetzen muss. Und damit wird's ja wieder zum Großteil 'n, rationaler Entscheidungsprozess statt 'n körperlicher, ne.
Christian (16:05)
Genau. Was du ja sagst, ist ja im Endeffekt der, der Einklang zwischen Geist und Körper, ne, wie man ja so, so Körper, Geist und Seele. Das ist ja das, worüber wir hier im Podcast regelmäßig sprechen. Das heißt, das wird ja dann quasi, es entsteht ja mehr Einheit dadurch, buchstäblich.
Evelyn (16:18)
Genau, also indem du quasi lernst, mehr wahrzunehmen, dich besser zu regulieren bisschen mehr wahrzunehmen und in dem Wahrnehmen-Prozess ist es halt auch 'n ganz interessante Arbeit mit dem Körper, wenn du halt merkst, okay, über die verschiedenen Situationen, die uns begegnen und durch dieses Wahrnehmen, Fühlen, uns wieder regulieren, wieder bisschen mehr wahrnehmen, fängt der Körper auch an, also es fängt sich sozusagen an, 'n Vertrauen zwischen Körper und Verstand zu entwickeln, ne. Also sie sind jetzt nicht mehr: „Oh, du bist eigentlich nur mein Ausführer von dem, was ich für mein Leben vorhab“, oder der, ne, also es entsteht sozusagen eine Freundschaft.
Christian (16:56)
'Ne Beziehung, ne.
Evelyn (16:57)
Eine Beziehung. Ein Vertrauensgefühl und dadurch öffnet sich der Körper auch mehr, Dinge nach oben zu bringen, die dir halt früher passiert sind, die in irgendeiner Art und Weise, ne, sei das jetzt entwicklungstraumatisch, muss auch gar nicht immer Trauma sein. Es kann, wie gesagt, auch einfach 'ne, 'ne Handlungsstrategie sein. Fängt der Körper an, diese Informationen, diese Erfahrungen, diese wie nennt man das denn?
Christian (17:26)
Memory Internalisierung?
Evelyn (17:28)
Ja, einfach sozusagen das wieder hochzubringen, damit du dir das anschauen kannst und auch da die Gefühle oder die nicht vollendeten Impulse, die du damals als Kind nicht ausführen konntest, weil wie gesagt, du zum Beispiel einfach, ja, nicht in der Verhandlungs-, nicht in der Verhandlungsmacht warst, mit deinen Eltern bestimmte Dinge durchzusetzen. Das heißt, diese ganzen Impulse, die damals nicht ausgeführt wurden, wollen trotzdem immer noch 'ne Vollendung in dir finden. Und deine Kapazität wächst. Das heißt, diese Themen kommen hoch, du kannst dir diese Themen anschauen und jedes Mal, wenn du eins dieser Themen auflöst, wirst du 'n Stück freier. Und dadurch spielen diese Prägungen, gelernte Verhaltensmuster, Werte, die man vielleicht auch aufgenommen hat von Familie, Kultur. Es sind halt nicht mehr irgendwelche unbewussten Faktoren, die im Untergrund deine Entscheidung sowieso beeinflussen. Also ob die, die be-, ne, also das ist gar nicht die Frage: Beeinflussen die die oder nicht? Das ist ja nicht so. Die Frage ist: Beeinflussen die die unbewusst oder beeinflussen sie sie bewusst und ich hab die gewählt. Und ich kann sozusagen mit 'n bisschen Distanz draufschauen und kann sagen: „Hey, die Prio ist aber bei mir jetzt grade so.“ Ne, das ist ja der Unterschied, der entsteht. Es steht, entsteht mehr Freiheit zu wissen, was alles mitwirkt und zu entscheiden: Okay, lass ich mich jetzt davon zu einer Richtung oder anderen treiben oder wo setz ich die Priorität?
Christian (18:45)
Ich hab mir jetzt grade so beim, beim Zuhören gedacht, also angenommen, ich wär jetzt 'ne Führungskraft, dann wär der erste Einwand zu dem, was du jetzt grade erzählst, von meiner Seite aus: Ja, aber ich kann doch jetzt nicht anfangen, in Meetings sitzen und emotional zu werden und Dinge durchzufühlen. Wär jetzt meine Frage: Also wie unterscheidet sich ja noch mal der Alltag versus der Einzelarbeit, die du mit Leuten machst? Also ich kann mir vorstellen, in der Einzelarbeit hab ich 'nen Raum, gewisse Dinge durchzufühlen, wahrscheinlich auch auf 'ner sehr tiefen, intimen Ebene. Ich mein, dafür sind Therapeuten, Coaches, Menschen, die in dieser Form arbeiten, nun mal da wie wir. Und trotzdem frag ich mich dann: Okay, wie sieht's dann im Alltag aus, wenn ich dann quasi in 'nem Entscheidungsprozess bin mit jemandem und diese Prozesse in Gang gesetzt werden, die ich dann auch in der Einzelarbeit beziehungsweise mit mir selber habe?
Evelyn (19:29)
Also grundsätzlich ist erst mal die Einzelarbeit ja nicht abgeschnitten vom restlichen Leben, sondern es ist sozusagen integriert da drin. Und die Fragen oder die Themen, die du da anschaust und die Themen, die sich da auflösen, haben unmittelbaren Einfluss auf die restlichen Bereiche deines Lebens. So, das heißt, wenn du über die Arbeit schaffst, schneller dich zu regulieren, mehr wahrzunehmen, aber auch, ne, grade in der Einzelarbeit gucken wir uns ja auch wirklich die brisanten Themen an. Da sprechen wir ja nicht über Gott und die Welt und kaufst du jetzt Bananen oder Spinat, sondern da gucken wir uns ja an: Wo sind Themen, die dich wirklich im Alltag blockieren? Was sind Herausforderungen, wo du dich überfordert fühlst? Also wir gehen ja wirklich an die brisanten Themen ran.
Christian (20:09)
Hast du 'n Beispiel von 'nem Klienten oder Klientin?
Evelyn (20:12)
Ja, zum Beispiel eine, die jetzt grade vor der Entscheidung steht soll sie jetzt in das Unternehmen einsteigen. Also Vater ist sozusagen der, der grade führt.
Christian (20:20)
Also Familienunternehmen.
Evelyn (20:21)
Familienunternehmen, genau. Und sie merkt halt, ne, sie ist jetzt irgendwie in den Gesprächen mit ihrem Vater, aber viele Dinge, die sie halt sagt, die ihr wichtig sind, kommen halt nicht wirklich an. Und da ist gleichzeitig schon der Wunsch einzusteigen, aber ist halt auch diese, ne, die berechtigte, das Zögern, wenn sie halt merkt, okay, aber das, was mir wichtig wird, kommt bei meinem Gegenüber im Gespräch nicht wirklich an oder wird nicht ernst genommen. Dann ist natürlich die Frage: Wird das nicht ernst genommen, weil sowieso alles abgelehnt wird? Oder wird das nicht ernst genommen, weil ich das nicht kommuniziere aus 'nem Ort, der in mir so sicher ist und so klar ist, dass es wirklich ankommt? Also das sind, ne, das ist so sozusagen Die Brisanz kann natürlich auch noch steigen, aber das ist jetzt mal so ein Beispiel. Und wenn du jetzt im Coaching dich damit auseinandersetzt, was passiert mit dir in diesem Moment und du lernst sozusagen wahrzunehmen, was da alles mitschwingt, du lernst die Emotionen zu fühlen, du lernst auch gleichzeitig die Kompetenz, dich mehr zu regulieren, dann kannst du im nächsten Gespräch plötzlich dasitzen und es ist… hat sich nichts bei deinem Gegenüber verändert, also bei deinem Vater in dem Fall, und du kommunizierst aber anders. Du hast mehr Spielraum, wenn er dir jetzt zum Beispiel so 'ne Kri…, ne, wenn sozusagen so 'n Kritik kommt, oder 'n Pushback. Nicht sofort in dein Muster zu gehen von: „allen“ oder: „Mit dir kann man sowieso nicht reden“, oder, ne. Also alles, was sozusagen dann dazu führen würde, dass das Gespräch letztendlich nicht so effektiv ist, wie es sein könnte, wenn du zum Beispiel mehr bei dir bist und auch mehr… Weil was passiert durch, ne, dei-die Steigerung deiner Regulationskompetenz ist letztendlich auch, dass du in solchen Momenten mehr Kapazität hast, bei dem anderen zu sein. Wenn du in deinem System schon so krass überfordert bist und da schon so viel abgeht, ne, emotional und generell, dann hast du gar keine Kompe…, dann hast du gar keine Kapazität mehr, überhaupt darauf einzugehen, was bei deinem Gegenüber abgeht. Und der bringt ja auch sein ganzes Potpourri von, ne, Glaubenssätzen, Werten, Gefühlen, Kindheitserfahrungen, bringt er auch alles mit. Das heißt, wenn du's aber schaffst, diese Kap…, die, diese Kapazität zu haben, dann kannst du halt auch in so 'nem Moment, anstatt in dein Muster zu verfallen, neugierig werden. Ne, also sozusagen noch mal 'ne Rückfrage stellen und sagen so: „Was ist dir denn gerade eigentlich wirklich wichtig da dran?“ Oder: „Wie meinst du das, wenn du sagst, dass du mir nicht glaubst?“ Wa-, ne, was ist… Also du kannst sozusagen mit der anderen Person in Kontakt bleiben Während du sonst vielleicht in Kontaktabbruch gegangen wärst. Und das heißt jetzt nicht unbedingt, ich verlass das Gespräch und ich renn raus, sondern Kontaktabbruch passiert auch, wenn ich mich so tief in mich selbst zurückziehe und denke, das, was ich sage, hat sowieso kein Gehalt und meine Ohren auf Durchzug schalte und einfach denke: „Okay, das Gespräch wird jetzt gleich vorbei sein“, aber ne, so. Das ist auch eine Form von Kontaktabbruch letztendlich. Also das heißt jetzt nicht und das jetzt wieder auf die Führungskraft bezogen, also ob du jetzt so 'n Gespräch zu Hause führst, was brisant ist, oder ob du so 'n Gespräch mit deinen Mitarbeitern führst. Also ich glaube, es hat jeder wahrscheinlich schon mal, wenn nicht selbst erlebt, irgend 'ne Story gehört über irgend 'nen cholerischen Chef, der schon bei den kleinsten Sache, die irgendwie schiefgegangen ist, total ausgerastet ist, die Mitarbeiter klein gemacht hat. Und das ist keine Seltenheit.
Christian (23:48)
Ja, das kann ich als Bäcker, kann ich da ganz, ganz viele Geschichten zu erzählen. Im Handwerk ist es ja noch mal 'ne Ecke krasser.
Evelyn (23:52)
Glaub ich, ja wahrscheinlich.
Christian (23:53)
Ja genau.
Evelyn (23:54)
Und wenn man sich jetzt vorstellt, wie verändert sich so 'ne Situation, wenn du einerseits merkst, so: „Okay, der Mitarbeiter spricht jetzt was an, das triggert mich an.“ In dem Moment musst du jetzt nicht anfangen und sagen: „Okay, welches Kindheitsthema ist jetzt bei mir getriggert? Was für 'ne Emotion ist das jetzt?“ Also du fängst jetzt nicht an, in 'nen inneren State zu gehen, wo du auch nicht mehr mit der anderen Person in Kontakt bist, sondern was du machen kannst, ist, dich erst mal mit deinem Atem bewusst verbinden und erst mal in der Situation 'ne kleine Distanz schaffen, kleinen Moment der Pause schaffen. Dann deinem System auch unmittelbar vermitteln, so: „Ich nehm wahr, dass das grade passiert. Ich nehm wahr, dass da Wut ist.“ Und dann aber auch zu sagen, so: „Ich kümmer mich.“ Also man kann sozusagen mit diesen inneren Aspekten, mit diesen inneren Teilen auch verhandeln, was interessant ist, weil, ne, also du kannst sozusagen in der Situation sagen: „Ich guck mir das nachher noch mal tiefer an.“ Und dann in dem Gespräch aber, und das hängt alles mit deiner Regulationskapazität zusammen, also kannst du dich in dem Moment selbst regulieren. Weil wenn du dann sozusagen wieder reguliert bist, kannst du bei dem anderen sein oder bei dem anderen, nee, ist nicht bei dem anderen sein. Du bist bei dir, aber du kannst besser darauf eingehen und hast mehr Spielraum, neugierig zu sein, Fragen zu stellen, anstatt direkt wieder: „Oh, der greift mich grade an.“ Also es ist 'n Unterschied, ob ich das wahrnehme als: Der greift mich grade an. Es geht sozusagen auf Nervensystemebene auf mein… genau, es geht um Survival sozusagen. Der hat jetzt was gegen mich per se. Oder du nimmst wahr, okay, das ist auch 'n Mensch, der hat auch irgendwie seine ganzen Geschichten und Themen und Muster und der versucht mir grade was zu kommunizieren und das führt bei mir zu dieser Response. Vielleicht meint er das gar nicht so, vielleicht meint er das genauso, aber es entsteht sozusagen wieder mehr Handlungsspielraum Beziehungskontakt zu kreieren, Nähe zu kreieren und dadurch irgendwie 'ne Lösung zu finden, die am Ende vielleicht für beide die stimmigere ist. Also sozusagen, was, ne, in dem, in dem Beispiel sich auch zeigt, ist halt so: Körper ist nicht nur ein Instrument zu gucken: Wie geht's dir? Sondern Körper reagiert auch als Wahrnehmungsinstrument für Signale von anderen. Also ich kann dadurch auch, wenn ich bei mir bin und reguliert bin in so 'ner Situation wahrnehmen: Kommt die Person jetzt grade zu mir und ist eigentlich Irgendwie ganz wo anders, gar nicht auf der Arbeit, weil irgendwas zu Hause vorgefallen ist. Die sagen mir das vielleicht nicht unbedingt, aber ich merk auf jeden Fall, die Person kommt nicht mit ihrem normalen Elan, was dann als Information mir natürlich auch helfen kann, mein Gespräch auf den anderen abzustimmen, so auf 'ne Art und Weise. Weil letztendlich geht's ja als Führungskraft darum, Menschen mitzunehmen und Menschen sozusagen so zu fördern, dass sie selbst die Motivation entwickeln, da hinzugehen. So, weil dann bist du sozusagen der, der Begleiter am, am Rand, aber es kostet dich ja viel weniger Energie, als wenn du mit versuchst, mit Macht oder Kraft oder Autorität zu führen. Ne? Und ich glaube, wenn du nicht bei dir selbst im Körper bist, wenn du nicht wahrnimmst, was in deinem Umfeld abgeht, dann hast du viel weniger Gestaltungsraum, Spielraum und auch viel weniger Zugkraft, andere für deine, andere für dein, deine Vision zu gewinnen. Ne, also ja.
Christian (27:33)
Ganz spannend, weil jetzt, jetzt sind wir quasi wieder auf, voll auf diesem Führungsthema, Thema drauf, ne, was, wenn's darum geht, quasi durch die innere Arbeit, die ich mache, für mich selber anderen dabei zu helfen, auch 'n richtigen Weg für sich zu finden und zu gehen. Und wie du sagst, alles ist im Austauschen, alles ist Beziehung, sowohl die Anteile mit mir selber als auch die dem Gegenüber, ne. Und wenn jetzt jemand vorbeikommt, der 'n schlechten Tag hat, dann muss ich das, was er sagt, vielleicht auch gar nicht so persönlich nehmen als Angriff. Nur dafür muss ich erst mal wahrnehmen können, dass der andere 'n schlechten Tag hat. Und wie soll das funktionieren, wenn ich das selber bei mir nicht wahrnehmen kann, ne? Ja, das ist, das ist schon 'ne krasse, 'ne krasse Perspektive. Und wie gesagt, zur einen Seite ist es so einfach, ne. Weil wir, wir sind ja alle den ganzen Tag 24/7 in unserem eigenen Körper und doch haben wir halt irgendwie verlernt, da 'n Bezug zu finden. Und jetzt stell ich mir so die Frage, neben diesen kleinen Übungen, die wir am Anfang besprochen haben: Was sind denn so vielleicht sogar so Durchbruchmomente, die Menschen dabei helfen oder Übungen, ich weiß jetzt gar nicht, was, was da der richtige Begriff ist, einfach da 'n tieferes Level in sich zu entdecken?
Evelyn (28:43)
Also es gibt auf jeden Fall immer Aha-Momente und Durchbruchmomente, aber ich glaube, die viel spannendere Arbeit, auch wenn's jetzt erst mal nicht spannender klingt, ist in der Kontinuität. Weil es ist wirklich so wie: Du kannst, du kannst auch nicht ins Fitnessstudio gehen und an einem Tag erwarten, ich steigere mich jetzt von irgendwie 60 Kilo auf 100 Kilo.
Christian (29:04)
Was? Das geht nicht?
Evelyn (29:05)
Das geht nicht. Ich weiß nicht, sag du's mir. Ich trainier nicht ganz so schön. Ich hab jetzt gehofft, ich hab die Kilozahl gut genug gewählt, dass es wirklich aufgeht. Aber …
Christian (29:16)
Nein, ohne Steroide geht's nicht.
Evelyn (29:18)
Es ist letztendlich 'n Muskel. Und wenn du sozusagen nur in deinen Körper reinspürst, klar hat das trotzdem Effekt, wenn du's jetzt nur in den Einzelsessions machst, wird sich trotzdem was verändern. Aber die wirklichen Durchbruchmomente, die ich immer wieder bemerke, sind die, die wirklich sich mindestens mal jeden Tag zehn Minuten bewusst in eine Form von Selbstwahrnehmung gehen. Das, ne, muss jetzt nicht sein, ich meditier da im Stillen und ich mach meinen Bodyscan. Kann eine Option sein. Kann auch 'ne andere Option sein: Ich mach irgendwie morgens meinen Kaffee jetzt mal zu 'nem Ritual und ich nutze mal diesen Kaffee, um wirklich auch bei mir selbst anzukommen, mit meinen Sinnen in Kontakt zu kommen. Also, ne, ich nehm vielleicht die Hitze davon wahr, ich nehm den Geruch wahr, ich höre, was passiert, wenn ich mir den Kaffee mache. Das klingt jetzt alles auch erst mal banal, aber es ist überhaupt erst mal spannend zu bemerken. Also als ich mit der Arbeit angefangen hab, konnt ich mir überhaupt nichts davon vorstellen, was bedeutet es überhaupt, in deinem Körper zu sein. Ich denk mir so: „Ich lauf mit meinem Körper rum. Klar bin ich in meinem Körper, wo soll ich sonst sein?“ Was laberst du? Also so ging's mir am Anfang, als ich die Arbeit gefunden hab. Und dann war's halt aber über wirklich jetzt die Jahre und grad, es hat, es hat jetzt nicht Jahre gedauert, bis ich an den Punkt gekommen bin, wo ich jetzt bin, aber es sozusagen dieser, dieser Switch von „Spür mal rein.“ Eins der Sätze, die mich früher auch richtig wütend gemacht haben. Ich so dachte: „Was soll ich denn da spüren?“ Aber dann gab's tatsächlich Coaches, die saßen vor mir und die haben dann innegehalten und haben gesagt: „Spür mal rein.“ Und dann hat sich plötzlich 'n Gefühl gezeigt, 'ne Trauer gezeigt, 'n Berührtsein zu 'ner bestimmten Situation gezeigt. Und ich war völlig, ich war völlig verwirrt. Ich war so: „Okay, wieso hat, wieso hat sie das jetzt gewusst? Also wie konnte sie jetzt meine Trauer wahrnehmen? Und ich hab das in dem Moment irgendwie gar nicht gespürt und woher kommt das überhaupt?“ Und dann hab ich erst mal angefangen zu merken: Boah Wenn ich das jetzt grade nicht wahrnehmen konnte, was ist denn da noch alles, was ich nicht wahrnehme? Weil es wird uns ja auch über Jahre abtrainiert, in unserem Körper wirklich die Dinge wahrzunehmen, ne. Das fängt schon an wie… Also es sind so kleine Sachen, wie du bist in der Schule, du musst eigentlich auf Toilette gehen, aber die Kla, die Stunde ist fast rum. So, du meldest dich, du willst auf Toilette gehen. Der Lehrer sagt nein. Klar kann man sagen, okay, das ist Impulskontrolle, ist irgendwie auf 'ne gewissen Art auch wichtig, dass du deinen Urin einhalten kannst, ne. Aber was gleichzeitig auch passiert ist, dein Körper sendet dir 'n Impuls Und er bekommt keine Ausagierung. Das heißt, du lernst halt weniger zu fühlen, weil ist ja nervig, jedes Mal fühlen zu müssen, diesen Bewegungsdrang zum Beispiel. Du sitzt in der Schule und willst dich eigentlich bewegen, aber du hast jetzt noch drei Stunden Mathe. Wenn du den ganzen Tag mit diesen Impulsen rumlaufen würdest, wär ja voll anstrengend. Das heißt, was machst du? Runterdrücken und abschneiden. So, das heißt, du nimmst das gar nicht mehr in der Feinheit wahr. Das heißt, was wir in der Arbeit machen, ist nicht: „Ich bring dir was komplett Neues bei, fühl mal deinen Körper“, sondern es ist eigentlich diese ganzen Stellen, wo sozusagen diese, die Körperwahrnehmung abgestellt wurde, resensibilisieren wir. Wir kreieren die Zugänge wieder dazu. Und führen das fort, was nicht fortgeführt wurde, ne, sozusagen aus der Kindheit. Und was ich ganz spannend finde, weil du jetzt von Durchbruch geredet hast, das war jetzt was, was 'n Klient von mir tatsächlich kürzlich erfahren hat, was für mich 'n super schöner Prozess war, weil wir angefangen haben, es ging so Intimität 'ne erfüllende Intimität zu haben mit anderen, also mit seiner Partnerin hauptsächlich, jetzt nicht mit… und es war die ganze Zeit so 'n Prozess von: Okay, komm erst mal wirklich selbst in deinem Körper an, nimm dich erst mal selber wahr, nimm erst mal wahr, was tut dir denn gut, was tut dir denn nicht gut, ne? Auf körperlicher Ebene, auf was für Gedanken denk ich vielleicht, was macht das mit mir? Ist das gut, nicht gut? Und nach anderthalb Monaten, wo er die ganze Zeit mit seinem Fokus vollkommen im Außen war, also wie kann ich sozusagen die Nähe gestalten, sodass es meiner Frau, meiner Partnerin gut passt. Hinkommen zu: Wenn ich nicht selber bei mir bin, wenn ich nicht selber was als gut oder angenehm empfinde, dann kann ich das auch gar nicht teilen. Also so, wenn ich sozusagen immer darauf fokussiert bin, was brauchen die anderen, was ge…, ne? Kriegt, kreiert man meistens nicht 'ne Situation, in, also in der Harmonie entsteht, ne. Sodass es dem anderen gut geht und dir gut geht. Und was sozusagen das Faszinierende an dem Prozess war, war, dass er dann wirklich nach anderthalb Monaten zu mir kam und meinte: „Es ist so eine neue, so ein neuer Frieden in mir eingekehrt, weil ich mit mir selbst in Kontakt bin und ich mit mir einchecke jeden Tag. So: Wo bin ich grade? Wie geht's meinem Herzen? Welche Körperteile nehm ich wahr?“ Und das sozusagen ihm erlaubt hat, eine viel tiefere, viel intensivere, viel nähere Beziehung zu seiner Partnerin aufzubauen. Weil plötzlich kann er halt im Gespräch auch kommunizieren, so was er braucht. Er kann irgendwie aber auch mehr differenzieren, was, was sie jetzt gesagt hat, was das in ihm auslöst. Und, Also ich fand einfach den Prozess so von: Ich guck immer nur im Außen und was kann im Außen alles geregelt werden, hin zu: Ich komm überhaupt erst mal in Kontakt mit mir, fand ich 'n Riesenschritt. Also fand ich auch sehr berührend, irgendwie so mit dabei zu sein.
Christian (34:50)
Ja, berührt mich auch, wenn du das erzählst. Weil ich kenn das natürlich auch, ne. Ich bin auch immer gerne der Retter der anderen. Aber dann so zu merken: Oh, ich darf mich ja selber retten lassen, beziehungsweise ich darf ja in erster Linie mal meine Bedürfnisse äußern. So, und dann ist es natürlich noch schön, wenn jemand auf der anderen Seite ist, der das auch willkommen heißt, logischerweise, ne. Du, wir hatten eingangs noch über ein, wenn wir jetzt schon bei dem Thema sind, wo's, wo's ja eigentlich herkommt, darüber gesprochen, dass Familiensysteme eigentlich so die krassesten Beispiele sind, weil da geht ja gefühlt alles lo… Da geht faktisch ja alles los. Du wirst ja als Mensch von deiner Familie geprägt. Und da du ja selber auch, jetzt au-als Gesellschafterin den, aus 'm Familienunternehmen den, den Kontext hast, wär jetzt meine Frage: Was sind denn da so die häufigen Themen oder die Knackpunkte? Oder wa-warum ist es überhaupt so komplex? Was, was macht's so komplex, dieses ganze Familiensystem dahinter? Was ist daran so schlimm?
Evelyn (35:42)
Ja. Wenn's schlimm ist, muss man dazu sagen, ne. Nicht alle Familien sind schlimm, um Gottes willen. Ich glaub, die Komplexität entsteht alleine, wenn wir jetzt, wir haben ja bisher grade unterschiedliche Kontexte uns angeguckt. Wir haben uns Familie angeguckt, wir haben ich mit mir selbst in Beziehung, wir haben Unternehmenskontext angeguckt. Also jeder dieser Kontexte folgt ja seiner eigenen Logik, ne. Also wenn's zum Beispiel in Familie darum geht, Zusammenhalt, bedingungslose Liebe, Fairness, dass alle irgendwie gleich behandelt werden, zu 'nem gewissen Grad, ne. Also es ist sozusagen eine bestimmte Logik, die im Familienkontext dafür sorgt, dass der, dass Harmonie entsteht, dass Nähe entsteht, dass ja, wir miteinander sein können. Und wenn wir uns dasselbe auf der, auf der Unternehmensebene angucken, dann gilt da 'ne komplett andere Logik. Also im Unternehmen, ne, geht es irgendwie darum, Mehrwert zu schaffen. Da geht's darum, dass bestimmte Kompetenzen benötigt werden, um bestimmte Rollen zu füllen und zu übernehmen. Da geht's irgendwie um Strategie, da geht's auch mal drum, unfair zu behandeln, wenn's aber sozusagen, zum Wohle des Unternehmens, ne. Also Führungsentscheidungen sind ja nicht immer gerecht. Manchmal musst du Mitarbeiter entlassen, obwohl du den persönlich total gerne magst, aber weil die Leistung zum Beispiel einfach nicht stimmt. So, und jetzt, wenn aber jetzt quasi diese Ebenen nicht mehr in getrennten Kontexten existieren, sondern quasi eigentlich übereinandergelegt werden, dann entsteht halt superviel Komplexität, die alleine schon damit anfängt: Du hast halt deine Rolle als Tochter, Sohn, die du jetzt nicht abgibst, wenn du plötzlich im Gesellschafterkreis Themen verhandelst. So, das heißt, diese unterschiedlichen Logiken oder auch diese unterschiedlichen Rollen oder Identitäten, die du hast Können halt sich gegenseit-, also sie können sozusagen in 'ner Art und Weise kollidieren, die halt auf der einen oder anderen Seite zu Kollateralschaden führt, ne, der wirklich sich lange auch halten kann. Also wenn du jetzt zum Beispiel in der Gesellschafterversammlung irgend'nem Thema widersprichst in 'ner Vehemenz, die aber dein Opa oder, ne, wer auch immer gegründet hat, so eingeführt hat und das war sein wichtigster Bereich, dann lässt sich nicht differenzieren bei den meisten, ne. Also es gibt vielleicht so Familien, wo das leicht, ne, wo die da jetzt irgendwie so trennen können voneinander, aber ich glaub, du hörst es schon von dem Beispiel einfach, die Komplexität in dem Unternehmen dann zu verhandeln und dann im Zweifel 'ne Entscheidung zu treffen, die für den Gründer vielleicht nicht die Wahl gewesen wäre, was das sich dann aber auch auf deine Beziehung im familiären Kontext auswirkt, ne. Sei es irgendwie, dass deine Tante sehr eng mit deinem Opa ist, die jetzt dir auch anders wohlgesonnen ist, ne. Also da gibt's viele unausgesprochene Dynamiken.
Christian (38:22)
Ja, und ich glaube, viele, viele Zuhörerinnen und Zuhörer, die aus Familienbetrieben kommen, werden da wahrscheinlich jetzt grade denken: Da kenn ich noch schlimmere Beispiele, ne.
Evelyn (38:30)
Ja, aber also da gibt's auf jeden Fall Beispiele wie Sand am Meer. Also letztendlich, ne, zeigt sich ja so die Komplexität, die einfach dieses Feld mit sich bringt, ist enorm hoch. Und wenn man da jetzt noch reinwirft, was du angesprochen hast ja am Anfang von da sind noch die ganzen kindheitlichen Erinnerungen, die Strategien, die man als Kind gewählt hat, dann aber auch die Werte, mit denen du vielleicht im Unternehmen, in der Familie, in, ne, in, in deiner Kultur aufgewachsen bist Das ist ja zusätzlich alles noch mit da drin. Also der Topf wird ja immer voller, ne. Wenn man das jetzt für alle Personen macht, die mit im Raum sitzen und nicht nur für dich selbst, dann merkt man schon: Okay, wie soll man da überhaupt noch Entscheidungen treffen, die, die irgendwie gut und zielführend sind? Wenn du dir aber jetzt den Raum vorstellst, denselben Gesellschafterraum, wo zumindest du, zumindest eine Person, aber im besten Fall natürlich alle, wir stellen uns jetzt mal das optimale Szenario vor, alle sind irgendwie mit sich selbst in Kontakt, alle haben 'ne gewisse Form von Selbstregulation, alle haben 'ne gewisse Form von Bewusstsein von: Was sind die selbst gewählten Werte? Haben 'ne gewisse Form von: Ich hab mir Kindheitsthemen angeguckt, Strategien aufgelöst, die nicht hilfreich sind und kann sozusagen das jetzt mehr mit Perspektive beobachten. Und dann treffen diese Menschen aufeinander und wollen 'ne Geschäftsentscheidung treffen Dann kann ich dir zu 100 % die Hand ins Feuer legen, dass die Entscheidung, die die zusammen treffen werden, 'ne ganz andere sein wird als die, die in 'nem System getroffen wird, wo alle einfach getrieben sind von ihren Mustern und Mechanismen, keiner sich irgendwas angeschaut hat, alle im besten Fall noch zehn Berater einstellen, die dann noch mehr Daten, ne, also-
Christian (40:18)
Noch mehr auch auseinanderführen, ne
Evelyn (40:20)
Es ist ja, es ist ja in solchen Kreisen ehrlicherweise selten ein Informationsthema, weil du kannst dir theoretisch, ne, Recherchen, Statistiken, kannst du dir alles aufbereiten lassen, zusammenholen. Du kannst noch zehn Berater einstellen, die sich in unterschiedlichen Bereichen fokussieren und die können dich alle sozusagen damit ich will jetzt nicht sagen, ja mit diesen Informationen bereichern, befüllen, wie auch immer man's nennen möchte. Und du wirst trotzdem nicht die bessere Entscheidung treffen. Weil halt nicht alleine die Information entscheidet, sondern das, was in dir passiert und was in dem Raum passiert auf Beziehungsebene.
Christian (40:58)
Ja, und vor allem weil halt nicht nur eine Person die Entscheidung trifft, sondern dann vielleicht 10, 20, 30 Leute, ne.
Evelyn (41:03)
Genau. Aber selbst wenn's nur eine Person ist, ist deine Entscheidung ja nicht unbedingt die beste. Man kann auch natürlich sagen: Okay, für wen ist die Entscheidung jetzt die beste? So, wenn du alleine da oben bist, dann hast du natürlich mehr Entscheidungsgewalt, weil es wirkt nur dein System sozusagen und alle anderen kannst du überbieten.
Christian (41:24)
Weil dann kommen wir wieder zu Zugkraft, ne? Die du grad eben genannt hast, ne. Also wie viel Aufwand muss ich da reinbringen, um die Menschen von der Vision zu überzeugen? Und wie sehr ist diese, diese Entscheidung überhaupt im Einklang mit mir versus die ist wieder aus 'nem Mechanismus heraus, den ich halt irgendwann gelernt hab und noch nie hinterfragt habe.
Evelyn (41:38)
Genau. Also auch anderes Beispiel, ne. Angenommen so, okay, du hast jetzt von deinen Eltern das Unternehmen übernommen und du bist jetzt allein CEO, kannst also alles gestalten. Jetzt hast du aber trotzdem ein Erbe, was jetzt nicht nur das Unternehmen ist, sondern halt auch das, was du, ne, an auch Ich will jetzt nicht immer nur sagen Prägung, weil da sind ja auch, es ist ja, es ist, soll auch jetzt nicht so wirken, als würde alles, was du geerbt hast, negativ sein, ne. Also da kommen ja richtig tolle Sachen auch mit an Werten, ne, je nachdem, wie du aufgewachsen bist. Aber, Wenn du jetzt an der, an der Spitze sitzt und in dir immer noch 'n Programm wirkt von: Wie mach ich Papa stolz? Nicht weil du jetzt im Kopf denkst: „Oh, ich will Papa unbedingt stolz machen“, sondern weil sozusagen früher dein Mechanismus war, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um Liebe und, ne ja, um Liebe und Aufmerksamkeit von deinen Eltern zu bekommen, war halt der Mechanismus: Okay, ich muss leisten, ich muss irgendwas machen, was so herausragend ist, dass es die Aufmerksamkeit von Papa bekommt. Das wirkt jetzt natürlich, wenn du dir das nicht angeguckt hast und die Emotionen davon nicht durchgefühlt hast und, ne, mit deinem Körper überhaupt nicht im Klack bist, wirkt das in der Entscheidung zweifelsfrei mit. Und du entscheidest dich halt eher für was, was Papa stolz gemacht hätte, als das, was eigentlich der Zeit und dem Unternehmen und deiner Führung angemessen ist. Also es geht ja auch auf, oft auch darum zu sagen so: Okay, wenn ich jetzt das Unternehmen übernehme, zumindest ist es bei mir 'n ganz starker Trieb, dann möcht ich nicht nur Tochter, Sohn von sein, das hat man eh schon sein Leben lang gehört, sondern dann möcht ich was Eigenes gestalten und dann möcht ich was Eigenes aufbauen, was jetzt nicht unbedingt sein muss: Ich hab jetzt mein eigenes Unternehmen. Bei mir ist das jetzt der Fall, aber es kann ja auch einfach so was sein wie: Ich möchte das Unternehmen so umgestalten, dass ich's in die Zukunft führen kann, in die ich's führen möchte, anstatt vielleicht das fortzuführen, anstatt einfach nur das fortzuführen, was sozusagen schon der geebnete Weg ist, in dem ich's jetzt einfach, ne. Also Die Situation, ne, ich, ich, ich denk immer so: Hätt ich damals in, in… Bei, bei mir war das ja alles über Nacht, dass ich Gesellschafterin geworden bin. Ich hatte zwar schon Gespräche mit meinem Vater vorher, aber durch den Todesfall ist das ja alles dann relativ kurzfristig passiert. Und hätte ich damals die Kompetenz nicht gehabt durch meine Körperarbeit, dann wär ich an ganz vielen Stellen echt überfordert gewesen. Also es war auch so schon sehr, sehr herausfordernd. Ist es auch nach wie vor in vielen Fällen.
Christian (44:17)
Du, Unternehmer sein ist nie leicht, ne.
Evelyn (44:18)
Genau. Aber Ich hab mir halt, ich hab mir halt damals auch einfach die Frage gestellt: Okay, ich hab jetzt Zugriff auf Steuerberater, auf Anwälte. Ich hab irgendwie meine Mutter, die wie 'ne Entsch-, ne, 'ne Idee hat für wie die Entscheidung auszusehen hat. Ich hab irgendwie auch Coaches und Therapeuten in meinem Netzwerk. Also ich hatte keinen Mangel an Kompetenz in meinem Feld und trotzdem hat mir in manchen Momenten dieses gefehlt: Ich wünschte, es gäb jemanden, der jetzt den Raum für mich halten könnte, der beides versteht. Beide Welten versteht. Also der irgendwie auf der einen Seite versteht: Hey, die Entscheidung, die jetzt erst mal aussieht wie: Möchtest du Nachfolger werden oder nicht? Da hängen noch so und so und so viele Sachen in der Tiefe mit dran, aber der auch die, die Brille hat oder das Verständnis hat von Familienunternehmen läuft halt einfach noch mal anders als, ne. Ich war auch im Konzern, ich war auch im Start-up. Familienunternehmen läuft noch mal ganz anders. Nicht weil Wirtschaft da anders funktioniert oder so, aber weil die Kultur anders geprägt ist, je nachdem, in welchem Familienunternehmen man natürlich ist. Aber die Kommunikation ist 'ne andere. Du kommst da auch in 'n System rein, wo Mitarbeiter 30, 40, wir haben Regel…, also wir haben jedes Jahr 'ne, 'ne 'ne Jubiläumsveranstaltung, wo keine Ahnung, mindestens zehn Mitarbeiter, 20 Mitarbeiter gekürt werden, weil sie jetzt 30, 40, 50 Jahre bei uns im Unternehmen sind. Habt das mal ihr, ne. Also klar, das wird wie viel, ne, mit der, mit wie z… wie, wie wir uns als Generation verändern, wird das vielleicht auch sich verändern. Aber was ich, was ich damit sagen will, ist so Jemand, der halt diese Familienunternehmenskomplexität versteht und diese körperorientierte Kompetenz mitbringt, hätte mir damals sehr geholfen. Weil ich hatte halt 'n Haufen von Beratern, die mir echt viel auch geholfen haben in sehr spezifischen Themen, aber keinen, der so die, diese Riesenwelle an was Emotional in einem vorgeht, halt auch mit begleitet, ja.
Christian (46:27)
Ja und ich glaube, das ist jetzt, wo du's grade sagst, also das ist ja eine Sache, die also, be the leader you never had, ne, wie's so schön heißt. So, ich mein, es gibt jetzt auch wahrscheinlich nicht so viele Berater, die selber, Nachfolger von Unternehmen, v-v-von Familienunternehmer waren oder sind und sich dementsprechend da auch hineinversetzen können. Und deswegen sind ja Gott sei Dank jetzt bist du ja dafür da, um vor allem diesen Menschen zu helfen. Und das wär jetzt auch meine abschließende Frage: Also angenommen, ich wäre jetzt jemand, der sagen wir mal, vor der Entscheidung steht, in ein Unternehmen einzusteigen, mein Familienunternehmen oder genau nehmen wir das mal als, als konkretes Beispiel und ich kann mich grad nicht entscheiden. Was kannst du der Person für zu Hause einmal als 'n kleinen emotionalen Support mitgeben?
Evelyn (47:12)
Ja. Schöne Frage. Ich würde tatsächlich anfangen mit 'ner, ne, gleich Körper und Kopf zusammen einsetzen als Team, und zwar dir 'ne Liste zu erstellen von, also die Liste hat zwei Balken. Eins ist: Hab ich geerbt, das andere ist: Hab ich gewählt. Und dann gehst du mal so durch, verschiedene Kategorien und dann zum Beispiel: Welche Werte hab ich für mich selbst gewählt? Welche Werte hab ich geerbt? Mein Bezug oder meine Beziehung zum Unternehmen. Dann als Nächstes, Mein Studium, meinen Beruf, meine Ausbildung. Und wenn du sozusagen dann mal guckst, okay, was hab ich geerbt, was ich gewählt, heißt das jetzt nicht, was du geerbt hast, ist kacke, ne. Hab ich jetzt schon mehrfach gesagt, aber es geht eher sozusagen erst mal zu schauen: Okay, wo hab ich einfach übernommen und wo hab ich mich frei entschieden? Und dann auch zu schauen: Okay, was sind grade bei Werten zum Beispiel denn die Werte, die ich einfach unbewusst übernommen hab, aber die ich gar nicht so weiterleben möchte. Und das sind zum Beispiel Sachen, die, die du relativ stark und schnell im Körper wahrnehmen wirst. Also ob jetzt sozusagen… Und das Interessante ist auch bei Werten, es ist nicht das Wort per se ist irgendwie belegt, sondern du hast eine eigene Referenz, eine eigene Definition zu dem Wert. Das heißt, wenn ich jetzt beispielsweise sage Loyalität, kann das für manche sein: Wow, ein erweiterndes Gefühl. Ich fühl mich stolz, ich fühl mich ruhig. Oder es kann auch das Gegenteil davon eintreten, Loyalität und ich bin so: Oh, das ist für mich Zwang, das ist für mich unterordnen, das ist für mich meine eigenen, ne. Und wahrzunehmen, okay, was sind meine Körperempfindungen dazu? Und dann aber auch anhand dessen zu sehen: Okay, welche dieser geerbten Werte möchte ich tatsächlich weiter übernehmen? Ne, wenn's jetzt auch darum geht, meine eigene Führungspersönlichkeit zu entwickeln, was möchte ich von dem, was ich geerbt hab, tatsächlich weiterführen? Und was davon hab ich einfach unbewusst übernommen. Jetzt bist du schon 'n Schritt weiter, jetzt weißt du wenigstens bewusst. Und jetzt kannst du auch drauf achten: Okay, wie zeigt sich das denn gerade bei Werten? Wie zeigt sich das denn in meinem Verhalten? Also wenn ich jetzt sozusagen den Wert Loyalität, Loyalität wähle und der ist für mich eigentlich negativ besetzt, also eigentlich hab ich den nicht selbst gewählt und ich geh jetzt aber irgendwie in, in Entscheidungen und Verhalten erfordert Loyalität. Wie fühlt sich das Verhalten denn an? Also wenn ich sozusagen jetzt aus dem, aus der Ratio agiere von: Ich mach das jetzt, um loyal meiner Familie gegenüber zu sein, ist in so 'nem Fall, wenn's geerbt ist, aber es eigentlich für dich nicht stimmig ist, wirst du immer 'n Körpersignal dazu wahrnehmen. Also du wirst immer 'ne Form von irgendwie, ne, Widerstand oder 'n Zusammenziehen oder irgend 'n Unwohlsein oder so. Also letztendlich zu schauen, was hast du geerbt? Was hast du frei gewählt? Wie fühlt sich beides in deinem Körper an? Und was entscheidest du, wofür entscheidest du dich jetzt aktiv, das weiterzuführen, weiter aufzu-aufzunehmen, das in deinen Führungsstil mit einfließen zu lassen?
Christian (50:39)
Also ganz ehrlich, ich, ich hab schon die Idee, wenn ich allein schon diese Frage gestellt bekomme, dass das schon 'n sehr starken Veränderungsprozess in der Person auslösen wird. Ja. Übe-überhaupt zu differenzieren, wer… Also was hab ich geerbt? Was hab ich… Also allein das, dieses: Was hab ich selbst gewählt? Ist ja: Oh, dafür muss ich mich ja mit, mit mir selbst beschäftigen. Das heißt, ich gehe weg von der, den Entscheidungen im Außen, die mir aufgesetzt worden hin schon zu mir selber. Das heißt, allein diese Frage ist meines Erachtens nach schon 'n krasser Tiefgang, buchstäblich.
Evelyn (51:08)
Ja, ja, ja, absolut.
Christian (51:09)
So, dementsprechend glaub ich, dass alles, was danach passiert, wird in diesem Prozess schon genau die Türen öffnen wird, die es braucht, um halt eben weiter zu erforschen: Okay, wie soll jetzt die Antwort, steige ich ein oder steige ich nicht ein am Ende vom Tag aussehen? Ich glaube, das ist 'n wichtiger Stein, der durch diese Frage ins Rollen gesetzt wird.
Evelyn (51:26)
Ja, absolut.
Christian (51:27)
Und wer, an der Frage trotzdem nicht weiterkommt oder weiterkommt, kann sich auch jederzeit bei dir melden. Also wir haben den Link in der Videobeschreibung. Und wer Interesse hat, darf auf jeden Fall auch nicht vergessen, das Like und 'n Subscribe dazulassen. Schön, dass du da warst.
Evelyn (51:41)
Ja, danke fürs Gespräch.