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Rückfall

Von Christian Strunk2 Min. Lesezeit

Rückfall beschreibt die Rückkehr zu einem Verhalten, das Du bewusst verändern wolltest. Nicht als einzelnes Ereignis, sondern als Prozess: Zuerst kommen die alten Trigger, dann das Verlangen, dann der Griff, dann die Reaktion auf den Griff. Und genau dort entscheidet sich alles. Nicht der Rückfall selbst ist das Problem. Sondern was danach passiert. Im Körper spürst Du es sofort: Der Blick geht nach unten, die Brust fällt ein, Schwere im ganzen Körper, Enge im Bauch. Das ist Scham. Und Scham ist der Treibstoff, der den nächsten Rückfall wahrscheinlicher macht.

Woher das Konzept kommt

Das wichtigste Modell stammt von G. Alan Marlatt und Judith Gordon (1985). Ihr kognitiv-verhaltenstherapeutisches Rückfallmodell beschreibt Rückfall nicht als Katastrophe, sondern als vorhersagbaren Teil des Veränderungsprozesses. Zwei zentrale Erkenntnisse:

Phillippa Lally zeigte 2010, dass ein einzelner verpasster Tag keinen wesentlichen Einfluss auf die Gewohnheitsbildung hat. Und Forschung zum Dry January (de Visser, 2020) zeigt: Selbst unvollständige Teilnahme führt zu langfristigen Verbesserungen. Ein Rückfall ist ein Datenpunkt, kein Urteil über Deinen Charakter.

Wie sich Rückfall bei Männern zeigt

Was bei Rückfällen passiert, folgt immer demselben Muster:

  1. Altes Verhalten kommt plötzlich wieder hoch
  2. Sofort danach: Selbstkritik, Frustration, Scham
  3. Gedanken wie: „Alles umsonst“
  4. Tendenz zum kompletten Aufgeben: „Jetzt ist eh egal“

Der Rückfall selbst ist oft kurz. Das Problem ist die Reaktion darauf. Im Körper zeigt sich die Scham nach einem Rückfall als: Blick nach unten, Brust fällt ein, Energie sinkt sofort, Schwere im Körper, Enge im Bauch, Vermeidung von Kontakt. Das System kollabiert. Nicht nur das Verhalten.

Der häufigste Irrtum: „Ein Rückfall bedeutet, ich bin wieder am Anfang.“ Falsch. Rückfall ist Teil des Prozesses. Entscheidend ist: Wie schnell merkst Du es? Wie schnell kommst Du zurück? Wie gehst Du innerlich damit um? Fortschritt misst sich nicht an Perfektion, sondern an Recovery-Geschwindigkeit.

„Ein Mann hatte gelernt, in Konflikten ruhiger zu bleiben. Wochenlang lief es gut. Dann ein Abend: Streit eskaliert. Er wird laut, verletzend. Genau wie früher. Am nächsten Tag: Ich habe alles wieder zerstört. Wir haben nur eine Frage gestellt: Wann hast Du gemerkt, dass Du drin bist? Er: Früher hätte ich es gar nicht gemerkt. Diesmal nach 10 Sekunden. Er ging zurück zu seiner Partnerin und sagte: Ich bin gestern komplett rausgekippt. Das war nicht okay. Kein Drama. Keine Rechtfertigung. Das war kein Scheitern. Das war ein höheres Level von Bewusstsein und schnellerer Rückkehr.“

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