← Glossar

Emotionsregulation

Von Christian Strunk2 Min. Lesezeit

Emotionsregulation beschreibt die Fähigkeit, mit Gefühlen umzugehen, ohne sie zu betäuben, auszuagieren oder abzuspalten. Nicht: Gefühle kontrollieren. Sondern: wahrnehmen, im Körper halten, nicht sofort reagieren. Im Körper zeigt sich fehlende Regulation als schnelle Aktivierung (Herz, Atem), hohe Körperspannung, wenig Fähigkeit, wieder runterzukommen. Entweder Übererregung (laut, hektisch) oder Untererregung (leer, abgeschaltet). Kaum Mitte. Viel Pendeln. Emotion wird bei Männern oft als Problem gesehen, nicht als Signal. Und genau da liegt das Missverständnis.

Woher das Konzept kommt

Emotionsregulation ist das Gegenstück zu Alexithymie (Gefühle nicht benennen können). Wenn Alexithymie das Problem ist, ist Emotionsregulation der Weg. Eine Studie von Saeedi Rashkolia (2022) zeigt: 12 Wochen interpersonelle Therapie verbessern Emotionsregulation bei männlichen Substanzkonsumenten signifikant. Interozeption, die Fähigkeit Körpersignale wahrzunehmen, ist der körperliche Zugang: Wer spürt, was in ihm passiert, kann anders damit umgehen.

Der häufigste Irrtum: „Ich muss meine Emotionen kontrollieren oder loswerden.“ Nein. Kontrolle führt oft zu mehr Druck. Regulation bedeutet nicht wegmachen. Sondern Spielraum schaffen zwischen dem Gefühl und Deiner Reaktion darauf.

Wie sich Emotionsregulation bei Männern zeigt

Die meisten Männer nutzen drei Strategien:

Was selten da ist: Gefühl wahrnehmen. Im Körper halten. Bewusst damit umgehen. Nicht weil Männer nicht fühlen. Sondern weil sie nie gelernt haben, mit Gefühlen zu sein, ohne sofort etwas damit zu machen. Forschung zeigt: Emotionale Kontrolle, Selbstständigkeit und der Vorrang von Arbeit sind die maskulinen Normen, die am stärksten mit schlechter emotionaler Gesundheit korrelieren. Das bedeutet: Je mehr ein Mann versucht, seine Gefühle zu kontrollieren und alles allein zu schaffen, desto schlechter geht es ihm. Nicht trotz der Kontrolle. Wegen der Kontrolle. Regulation ist das Gegenteil von Kontrolle. Es ist die Fähigkeit, bei dem zu bleiben, was da ist, ohne es wegzudrücken oder auszuagieren.

„Ein Mann, 40, hat nach stressigen Tagen immer Pornos konsumiert. Er sagte: Das ist mein Weg runterzukommen. Wir haben nichts verboten. Nur eine Sache geändert: Wenn der Impuls kommt, 5 Minuten sitzen bleiben, nichts tun. Beim ersten Mal: Ich war mega unruhig. Ich wollte sofort aufspringen. Dann: Nach ein paar Minuten wurde es irgendwie ruhiger. Aber auch traurig. Das war neu. Er hat gemerkt: Unter der Unruhe lag Müdigkeit und Druck vom Tag. Ein paar Tage später: Ich mache es nicht jedes Mal anders. Aber ich verstehe jetzt, was ich da eigentlich wegdrücke. Das war der Anfang von Regulation. Nicht perfekt. Aber bewusst.“

Verwandte Begriffe

Passende Artikel:

Welches Muster läuft bei Dir?

Finde in 3 Minuten heraus, welche Gewohnheit Dich steuert.

Gewohnheitsspiegel starten